Heike Thormann, Autorin, Lektorin, Publizistin
Heike Thormann
Autorin, Lektorin, Buchproduzentin,
Trainerin und Coach

Artikel
"So überarbeiten Sie Ihre Texte (Tipps)"

von Heike Thormann

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So sehr jemand, der schreibt, sich dagegen auch sträuben mag: Die wenigsten Texte sind auf Anhieb perfekt. Eine Überarbeitung ist eigentlich immer nötig. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, seine Texte mit kritischen Augen zu sehen und an ihnen zu feilen. Zu sehr sind wir oft mitten im Geschehen. :-) Die folgenden Tipps helfen Ihnen, leichter Abstand zu Ihren Texten zu gewinnen und das Beste aus ihnen herauszuholen. 

Tipp 1: Lassen Sie den Text liegen

Die erste Grundregel bei jeder Überarbeitung lautet: Legen Sie Abstand zwischen sich und Ihren Text. Lassen Sie ihn „abkühlen“. Wenn Sie Ihrem Text gerade ans Licht der Welt geholfen haben, sind Sie noch zu sehr im Geschehen. Fehler und Schwächen werden Sie übersehen und – eigener oder fremder – Kritik lieber aus dem Weg gehen. Damit ist aber weder Ihnen noch Ihrem Text geholfen. Wenn Sie können, lassen Sie Ihren Text ein paar Tage oder sogar mehrere Wochen liegen, bevor Sie ihn sich wieder vornehmen. 

Tipp 2: Nehmen Sie sich Zeit

Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Überarbeitung. Betrachten Sie sie als gute Investition in die Qualität Ihres Textes. Man sagt nicht umsonst, dass erst die Überarbeitung den eigentlichen Text ausmacht. Nebenbei: Wenn Sie zunächst eine Rohfassung Ihres Textes in die Tastatur „hauen“ und danach geduldig an der Überarbeitung feilen, kommen Sie im Endeffekt sogar schneller voran, als wenn Sie über jedem Satz brüten, bis Sie den nächsten aus Ihrer Feder fließen lassen.

Tipp 3: Lesen Sie sich den Text laut vor

Nichts lässt Sie schneller über unmögliche Sätze stolpern als Ihre eigene Stimme. Ihre Stimme wirkt wie ein Vergrößerungsglas und zeigt Ihnen unbarmherzig die Schwachstellen Ihres Textes. Erst, wenn Sie einen Satz in einem Rutsch durchlesen können, ohne zwischendurch zu stocken, erst, wenn Sie Tonfall und Rhythmus Ihres Satzes „singen“ können, ist er auch gelungen. Achten Sie beim Vorlesen auf einen glatten Sprachfluss und überarbeiten Sie alles, was holprig oder unbeholfen klingt. 

Tipp: Wenn Sie nicht immer wieder neu ansetzen möchten, können Sie solche Stellen auch zuerst anstreichen und dann nach dem Vorlesen bearbeiten.

Tipp 4: Wechseln Sie das Schriftbild

Abstand ist für eine Überarbeitung nicht nur gut, um Ihren Text mit etwas professionelleren, kritischeren Augen als denen eines jungen Elternteils zu sehen. Abstand lässt Sie Ihren Text überhaupt erst richtig wahrnehmen. Denn was Sie sonst ohne diesen Abstand vor Augen haben, ist weniger Ihr Text, wie er auf dem Papier steht. Es ist Ihr Text, wie Sie ihn im Kopf haben. Tippfehler, Lücken oder logische Brüche – alles das wird Ihnen entgehen, wenn Sie nur auf das Bild in Ihrem Kopf hören. So gut ist unser Gehirn darin, die falschen Teile einfach mit dem Gemeinten zu ersetzen.

Dieses Abbild im Kopf können Sie, wie erwähnt, durch zeitliche Distanz abschwächen. Es gibt aber auch noch einen anderen Trick: Ändern Sie das Schriftbild Ihres Textes. Tauschen Sie die Standardschrift aus, spielen Sie mit der Zeichengröße, variieren Sie Zeilenabstand oder Spaltenbreite. Hauptsache, Ihr Text sieht optisch so fremd aus wie irgend möglich. Wenn Ihr Gehirn jetzt versucht, den realen Text mit seinem gedanklichen Abbild in Übereinstimmung zu bringen, wird es ein Problem bekommen – und Sie haben die Chance, wieder das zu lesen, was Sie auch geschrieben haben. Mitsamt der Fehler und Lücken.

Tipp 5: Drucken Sie den Text aus

Auch das ist eine gute Methode, um Ihren Text richtig wahrzunehmen: Drucken Sie ihn aus. Das Lesen am Bildschirm fällt dem menschlichen Auge relativ schwer. Deshalb neigen wir dazu, Textstellen zu überfliegen und nur Bruchteile von ihnen wahrzunehmen. Fehler, die in solchen übersprungenen Stellen sitzen, bekommen wir erst gar nicht mit. Beim gründlicheren Lesen auf Papier werden sie Ihnen dagegen eher ins Auge fallen. Achten Sie allenfalls darauf, dies nur bei wirklich wichtigen Texten zu machen, um nicht unnötig Papierberge zu produzieren und Ressourcen zu verschwenden.

Tipp 6: Wechseln Sie den Ort

Und auch dies ist noch eine Möglichkeit, um Ihren Text zu verfremden und besser wahrzunehmen: Lesen Sie ihn an einem anderen Ort. Dazu können Sie zum Beispiel Ihre Ausdrucke nehmen und, sagen wir, auf den Balkon umziehen. Oder natürlich, wenn Sie haben, Ihren Laptop, Ihren E-Book-Reader, Ihren Skizzenblock. So bekommen Sie wieder Distanz zu Ihrem Text und können diesen mit neuen Augen sehen. Die neue Umgebung mit ihren anderen Reizen fordert und fördert Ihre Sinne. Ihr Denken wird aus seinem Gleichtakt gerissen. Und Ihr Gehirn ist jetzt hellwach und gut auf die akribische Verbesserung Ihrer Texte vorbereitet.

Tipp 7: Suchen Sie nach Einzelheiten

Hilft das alles nicht? Dann setzen Sie sich Scheuklappen auf. Wenn Sie keine Zeit haben, um Ihren Text liegen zu lassen, und ihn auch nicht laut lesen, ausdrucken oder auf den Balkon mitnehmen können, dann verfremden Sie nicht Ihre Wahrnehmung, sondern begrenzen Sie sie. Setzen Sie sich mentale Scheuklappen auf und klopfen Sie Ihren Text jeweils unter bestimmten Gesichtspunkten ab. So könnten Sie im ersten Durchgang nach Rechtschreibfehlern suchen, in einem zweiten die logische Verknüpfung prüfen und in einem dritten auf den Sprachfluss achten. Blenden Sie das vollständige Bild so gut es geht aus, umso deutlicher können Sie die Einzelheiten erkennen.

Tipp 8: Genießen Sie die Überarbeitung

Ich liebe meine Texte und ich bin wie alle Autoren der Überzeugung, dass sie schon kurz nach der Geburt perfekt sind. Aber das sind sie nicht. Im Gegenteil. Noch nach Jahren finde ich immer wieder etwas, was man überarbeiten könnte. Deshalb liebe ich auch die Überarbeitung – und wünschte, ich hätte mehr Zeit für sie. Zeit, um meine Texte zu verbessern und um zu lernen, aber auch, um das wertzuschätzen, was schon gut geworden ist. In diesem Sinne kommt hier mein letzter Tipp: Genießen Sie die Überarbeitung. Sehen Sie sie nicht als Strafe, sondern als Geschenk. Schreiben ist ein Prozess, kein fertiges Produkt. Nur die wenigsten von uns werden auf Anhieb den großen Wurf landen. Aber mit einer Überarbeitung kommen wir ihm ein Stück weit näher. :-)

Copyright Heike Thormann
Auf dieser Webseite veröffentlicht am 30.3.2026
Erstveröffentlichung 2008, letzte Überarbeitung 2026

Auszug z. B. aus diesen Büchern:

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