Heike Thormann, Autorin, Lektorin, Publizistin
Heike Thormann
Autorin, Lektorin, Buchproduzentin,
Trainerin und Coach

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"Zeichensetzung für Autoren" (Übersicht)

von Heike Thormann

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.

Wozu Zeichensetzung?

 

* Satzzeichen sind in erster Linie eine Lesehilfe.

 

  • Sie zeigen an, was sinnvoll zusammengehört.


  • Sie helfen, den Wust von Buchstaben und Worten in lesbare Abschnitte zu unterteilen.


  • Sie helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Zum Beispiel: „Sorge für dich, selbst zuletzt.“ Statt/oder: „Sorge für dich selbst zuletzt.“


  • Sie zeigen an, welche Satzteile wie zu lesen/zu sprechen sind. (Lese- und Sprechtempo)


* Als Wiedergabe dessen, wie wir sprechen („Sprechmusik“), können Autoren sie aber auch nutzen, um mit Sprache und Texten zu spielen.

 

* Viele Autorinnen und Autoren entwickeln einen eigenen Stil und Gebrauch der Zeichen.

 

* Geläufige Satzzeichen sind: Punkt, Komma, Semikolon, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt und Gedankenstrich.

 

(Wie man gerade gesehen hat, nutze ich zum Beispiel auch noch gern den Schrägstrich zur Verkürzung von Aufzählungen oder Klammern für knappe Ergänzungen.)

 

1. Der Punkt

 

Ein Punkt steht unter anderem bei:

 

  • Aussagen: „Morgen fahren wir nach Rom.“


  • Ausdrücken und Satzstücken: „Wie fühlst Du Dich?“ „Okay.“


  • Vielen Abkürzungen: „Vgl.“ (Ohne sogenannte „Buchstabenwörter“ wie IHK = Industrie- und Handelskammer.)


  • Ordnungszahlen: „Am 24. Dezember feiern wir …“


* Ein Punkt beendet den Satz, senkt die Stimme. Der Leser macht eine kurze Pause.

 

* Von Boulevard-Zeitungen und Werbetexten stammt die Neigung zu sehr kurzen Sätzen, die oft nur noch einen Punkt als Satzzeichen haben. Der Leser soll nicht überfordert werden und den Text womöglich genervt zur Seite werfen.

 

* Kurze Punkt-Sätze mögen bei allem, was Aufmerksamkeit erfordert, sinnvoll sein. Doch Melodie bekommen Texte erst mit einem guten Anteil langer, kunstvoll gesetzter Sätze.

 

2. Das Komma

 

Ein Komma steht unter anderem:

 

  • Bei Aufzählungen: „Ich war schon in Madrid, Paris, Wien.“


  • Um Sinneinheiten zusammenzufassen und Missverständnisse zu vermeiden. Etwa: „Sorge für dich, selbst zuletzt.“ Statt/oder: „Sorge für dich selbst zuletzt.“


  • Um Satzteile deutlich sichtbar voneinander zu unterscheiden: Hauptsätze, Nebensätze, Einschübe, optional auch erweiterte Infinitive oder Partizipien. (Beispiel: „Wir haben uns vorgenommen, nach Rom zu fahren.“)


* Die Kommaregeln sind sehr komplex, bitte gegebenenfalls selbst nachschlagen.

 

* Seit der neuen deutschen Rechtschreibung kann man viele Kommas/Kommata auch „nach Geschmack“ setzen. Ziel: Die Lesbarkeit erhöhen.

 

* Auch bei einem Komma macht der Leser eine kurze Pause, bricht aber nicht ab, sondern kann sich im Gegenteil noch steigern und steigern, sich in Wellen weiter vorschieben und vorschieben. (Wie bei diesem Satz.)

 

* Ein Komma kann also Spannung aufbauen, etwas in Fluss halten oder melodisch zusammenfügen. Zum Beispiel: „Heute fahre ich nach Rom, und morgen fahre ich nach Wien.“ Statt: „Heute fahre ich nach Rom. Morgen fahre ich nach Wien.“ (Bitte einmal laut lesen, dann werden Sie es hören.)

 

3. Das Semikolon

 

* Das Semikolon (auch Strichpunkt genannt) ist ein Mittelding zwischen Punkt und Komma. Es kann dort stehen, wo ein Komma zu schwach und ein Punkt zu stark wäre.

 

Zum Beispiel: „Im März sollen wir wieder eine Sonnenfinsternis über Deutschland haben; vielleicht wird es ein Run wie beim letzten Mal.“

 

* Es kann größere Mengen an Informationen überschaubar machen und zusammenfassen.

 

Zum Beispiel bei dieser Aufzählung: „Ich fahre diesen Sommer nach Rom, Ostia und Capri; Wien, Salzburg und Hallstatt; ins Elsass und nach Metz.“

 

* Es kann wieder für mehr Spannung sorgen.


Beispiel: „Alle Kinder lieben Weihnachten; abgesehen von Hans, für ihn fällt es leider aus.“ (Weil seine Familie das Fest beispielsweise nicht feiert.)

 

4. Das Fragezeichen

 

* Ein Fragezeichen steht unter anderem bei:

 

  • Direkten Fragen: „Wohin fahrt Ihr diesen Sommer?“


  • Fragenden Ausdrücken: „Echt? Nach Rom?“


  • Aber nicht bei indirekten Fragen: „Sie fragten, wohin sie dieses Jahr fahren würden.“


* Mit Fragezeichen können Sie die ganze Palette menschlicher Gefühle wiedergeben. Jemand ist zum Beispiel: Fragend. Neugierig. Verwundert. Indigniert. („Wie bitte? Rom?“) Empört. („Wie bitte? Nach Rom!?“ Oder: „Wie bitte? Nach Rom??“) Spielen Sie einfach mal ein bisschen damit.

 

5. Das Ausrufezeichen

 

* Ein Ausrufezeichen steht unter anderem bei:

 

  • Wünschen, Aufforderungen und Befehlen: „Lass das sein!“ „Ich möchte das nicht!“


  • Ausrufen: „Himmel noch mal!“ „Herzlichen Glückwunsch!“


  • Aber nicht bei indirekten Aufforderungen: „Sie verlangten, über das diesjährige Urlaubsziel informiert zu werden.“


* Im Grunde soll mit einem Ausrufezeichen immer etwas besonders betont werden. Fehlt diese Betonung, liegt nicht so viel Nachdruck hinter einer Sache, reicht auch ein Punkt: „Lass das sein.“ Oder auch noch mit einem höflichen „bitte“: „Lass das bitte sein.“

 

* Sie können auch mit einem Ausrufezeichen emotionale Beteiligung anzeigen. „Ich freue mich ja so für Dich!“ „Wie schön für Dich!“

 

* Grundsätzlich würde ich ein Ausrufezeichen eher sparsam verwenden. Besser ist es oft, Nachdruck und Gefühle durch den Text selbst auszudrücken: „‚Wie schön für Dich‘, lächelte sie ihn sanft an.“

 

6. Der Doppelpunkt

 

* Ein Doppelpunkt kündigt etwas an oder leitet etwas ein:

 

  • Sätze: „Eines wundert mich ja: Warum wollen die Leute nur alle in Urlaub fahren?“


  • Aufzählungen: „Mögliche Urlaubsorte sind: Rom, Wien, Madrid und Glasgow.“


  • Zusammenfassungen und Schlussfolgerungen: „Halten wir fest: Wir fahren diesen Sommer nach Rom.“


  • Zitate, wörtliche Rede oder wörtlich wiedergegebene Gedanken.


* Der Doppelpunkt unterbricht den Lesefluss, macht auf (vielleicht wichtiges) Nachfolgendes aufmerksam, steigert die Spannung und hebt die Stimme/Satzmelodie.

 

* In der Regel setzt man keine zwei Doppelpunkte hintereinander.

 

7. Der Gedankenstrich

 

* Gedankenstriche machen eine Pause unter anderem:

 

  • Zwischen eingeschobenen Sätzen und Satzstücken: „Wenn wir nach Rom fahren – mal als Idee –, könnten wir dann auch nach Ostia fahren?“


  • Zwischen Satzteilen: „Unsere Reise nach Rom war – ziemlich enervierend.“


  • Bei Aufzählungen: „Heute – morgen – übermorgen, irgendwann wird‘s schon klappen.“


* Damit ist der Gedankenstrich ein gutes Mittel, um etwas hervorzuheben (Einfall, der höflich zur Debatte gestellt wird: „mal als Idee“), auf etwas aufmerksam zu machen und die Spannung zu steigern („ziemlich enervierend“ als humorvoll-ironische Formel für „entnervend“; mehr Spannung auch bei der Steigerung „heute – morgen – übermorgen“).

 

* Mit Hilfe eines Gedankenstrichs können Sie auch etwas dramatisch auslassen („Doch was war das –?“) oder das Thema wechseln („Also abgemacht, wir fahren nach Rom. – Nächster Punkt: Was machen wir Weihnachten?“).

 

* Ein Gedankenstrich unterbricht und verbindet gleichermaßen. Er hält die Satzmelodie oben oder kann sie noch steigern. Und er nutzt sich, wie das Ausrufezeichen, bei zu häufigem Gebrauch relativ schnell ab. Deshalb würde ich ihn eher selten und bewusst einsetzen.

 

8. Einschübe, Klammern und Parenthesen

 

*  Manche Autoren raten, auf Einschübe (Parenthesen) so oft wie möglich zu verzichten; ob sie nun zwischen Gedankenstrichen, zwischen Kommas/Kommata oder in Klammern stehen. Sie würden den Lesefluss unterbrechen und die Gefahr von Schachtelsätzen erhöhen.

 

* Man kann sie, wie gesagt, aber auch sparsam, ganz bewusst setzen. Zum Beispiel:

 

  • Um einen Dialog nachzuahmen wie bei meinen eigenen Einschüben „wie gesagt“ oder „mal als Idee“.


  • Um etwas in Klammern knapp zu erläutern oder zu ergänzen.


  • Um kurz von laufendem Text zu übergeordneter Erklärung zu wechseln.


* Ich denke: Wenn es „ästhetisch“ aussieht und sich gut lesen lässt – warum nicht? Letztlich hat jeder Autor seinen eigenen Geschmack und seine Launen und Grillen. Wenn „seine“ Leser damit gut fahren, hat er sein Ziel erreicht.

 

Schriftsprache folgt gewissen Regeln. Darum kommen Sie auch als Autor oder Autorin nicht herum. Doch darüber hinaus lässt sie viel Raum für schriftstellerische Entfaltung. Ich wünsche Ihnen dabei viel Spaß.

Copyright Heike Thormann

Auf dieser Webseite veröffentlicht am 24.06.2026

Erstveröffentlichung 2015/2016, letzte Überarbeitung 2026

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